Schloss Kollegg im Lavanttal

Informationen zum Zugang und Besichtigung des Schloss Kollegg, ehemaliges Jesuiten Kloster.

Schloss Kollegg, das ehemalige Jesuiten Kloster, heute Privatbesitz.

Drei Ordensmitglieder leben noch im „Haus der Einkehr“ in Kollegg und beherbergen jährlich um die 1200 Sinnsuchende, die in Exerzitien zur Ruhe kommen möchten. Verschiedene Kursbegleiter, stehen den Besuchern bei. Als „Schloss“ will Leiter Reinhold Ettel SJ das Haus nicht mehr sehen. Es ist ein Ort der Stille.Knorrige Obstbäume säumen den Weg zum „Haus der Einkehr“ der Jesuiten, das an diesem Vormittag mystisch in Nebel getaucht ist. Immer wieder blitzen einzelne Sonnenstrahlen hindurch, doch die Umrisse des Schlosses Kollegg sind nur ganz langsam schemenhaft erkennbar. Es trägt etwas Geheimnisvolles, Schönes in sich. Ein Ort der Stille, an dem man ruhig werden könnte.

Vor fast 80 Jahren, 1930, wurde das Schloss Kollegg von den Jesuiten erworben, samt Landwirtschaft und Wald, um dem Orden im Lavanttal, der auch im heutigen „Haus Elisabeth“ in St. Andrä beheimatet war, Unterhalt zu bieten. Vor rund 15 Jahren hat man hier dann begonnen, Exerzitien zu begleiten, wie Reinhold Ettel SJ erzählt. „Hier können sich die Leute für einige Tage zurückziehen, Ruhe und Besinnung finden. Das Wort kommt von ,Üben’, es geht um die Besinnung über eigene Lebensthemen, Beziehungsfragen, die Auseinandersetzung mit der Bibel.“ Die so genannten „Ignatianischen Übungen“ schöpfen, so Ettel, „aus der Lehre und dem Leben des Ordensgründers Ingatius von Loyola (1441-1556), der als junger, zielstrebiger Landadliger im Baskenland eine Ritterkarriere anstrebte und durch Verwundung und längere Krankheit eine innere Wandlung vollzog. Er hat zehn Monate lang intensives Beten und Ringen erlebt, was Gott mit ihm will, und diese Erfahrungen niedergeschrieben in geistlichen Übungen“.

Dabei geht es um kurze Impulse. „Woher komme ich, was ist Ziel meines Lebens, was liegt als Hindernis da? – Dann wird sehr intensiv das Evangelium betrachtet, zur Orientierung für das eigene Leben“, erzählt der Leiter des Hauses der Einkehr. Ursprünglich sei ein ganz starker Einsatz für Religion und Glaube im Vordergrund gestanden, doch in den 60ern und 70ern habe man erkannt, dass es nicht ohne Einsatz für Gerechtigkeit gehe. „Diese beiden dürfen nicht mehr auseinander fallen“, sagt Ettel. Denn: „Die Schere wird immer größer, es werden Absatzmärkte gesucht und es regiert ein großes Konkurrenzverhalten, viele Projekte werden ignoriert.“ Die Exerzitien stellen eine „Nagelprobe“ dar: „Dient mein Tun nur zur eigenen Befriedigung? – Dann stimmt etwas nicht“, so der Geistliche.

Solche „Nagelproben“ im ehemaligen Schloss Kollegg versuchen eher Frauen als Männer. Insgesamt zählt man hier, wo noch drei Jesuiten leben, 4000 Nächtigungen pro Jahr und rund 1200 Personen, die hier Kurse besuchen. „Die meisten Kurse dauern acht bis zehn Tage. Unser Einzugsgebiet ist der gesamte deutsche Sprachraum. Die Leute kommen her und wissen am Anfang oft nicht, wo St. Andrä überhaupt liegt“, schmunzelt der Leiter.

Ganz neu ist die Art der Vergütung der Kurse: „Teilen oder bezahlen“. Ettel: „Es ist urchristlich. Wir sind gewohnt, für Bezahlung alles zu kriegen. Ich war viele Jahre lang Leiter einer Privatschule – es gibt Dinge, die nicht bezahlbar sind. Ich muss nicht bezahlen, aber wenn es mir etwas wert ist, kann ich das, was ich habe, teilen. Es sind oft sehr berührende Erfahrungen, die man damit macht.“ Und: „Teilen kann man auch Zeit und Erfahrungen. Sobald Gegenleistungen erwartet werden, ist es schon ein Tauschgeschäft.“

Drei Fragen an Reinhold Ettel SJ (Societas Jesu), Leiter

Reinhold Ettel von den Jesuiten

1. Was bedeutet Fasten für Sie?
Die Fastenzeit ist eine spezielle Vorbereitung auf das Osterfest, sich die Frage zu stellen: Wie geht es eigentlich bei mir? Nicht nichts essen, sondern ein Umdenken, wo man schief liegt. Es ist eine Besinnungszeit, in der gerade auch unser Haus ein Rückzugsort ist.
2. Was bietet das Haus der Einkehr zur Fastenzeit?
Es gibt zum Beispiel die „Tage der Stille“, auch mit der Möglichkeit zur Aussprache. Gerade in der Karwoche ist unser Haus immer sehr voll. Die Osternachtsfeier, zu der auch die Menschen aus der Umgebung kommen, ist immer ein Höhepunkt. Auch die Waldkapelle wird viel besucht. Dort brennt immer ein Licht.
3. Welche Bedeutung hat das Lavanttal für Sie?
Wir sehen uns als regionales religiöses Zentrum, wir helfen auch in den Gemeinden mit, bei den Pfarrern. Der Kontakt mit der Bevölkerung ist mir schon ein Anliegen. Bei Ereignissen sind wir immer wieder eingeladen und dabei, etwa bei Konferenzen und Vorträgen. Ich koordiniere auch das Projekt der Diözese „Feste feiern im Kirchenjahr“.

Beschreibung: Das weithin sichtbare Schloss war von 1455 bis zur Mitte des 16. Jhs. im Besitz der Familie Kohlweis. 1591 erwirbt es Georg Sigmund von Neuhaus, 1693 das Domstift St. Andrä, ab 1931 das Jesuitenkolleg St. Andrä.
Der dreigeschossige Baus aus dem 16. Jh. ist über rechtwinkeligem Grundriss errichtet, an der Ostseite vorspringende Ecktürme. Die Westseite bildet mit Gebäuden des 19. Jhs. einen Hof und besitzt ein rundbogiges Portal mit Akanthusbekrönung (um 1700). Eine Thomaskapelle wird 1619 urkundlich erwähnt. Im 20. Jahrhundert wurden eingreifen Umbauten am Schloss vorgenommen. Im August 2012 haben die Jesuiten Kärnten verlassen.

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Schloss Kollegg

seit August 2012 kein Jesuiten Kloster mehr.
Heute Privatbesitz!

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