Michael Dohr
Die hohe Kunst der InszenierungEr fotografiert mit dem Pinsel: Künstler Michael Dohr (25) aus Maildorf setzt auf sein „Feeling“ – und zeigt mit seinen Werken Kunststücke, die es so noch nie gegeben hat. Die richtige Mischung aus „Abstrakt“ und „Konkret“ entführt in neue Welten. Der offene Gitarrenkoffer samt logischem Inhalt am Boden, das Mikrofon samt Ständer daneben, Rock aus den PC-Lautsprechern: Man sollte meinen, das ist der Proberaum eines Musikers. Das ist es auch, wie sich dann zeigt, aber zuallererst ist es das Atelier eines Künstlers, der einfach das tut, was er tun muss. „Ich muss malen, ich muss es einfach machen. Man kann dabei abschalten, und man erlebt so viel dabei. Alle möglichen Gefühle kommen zum Tragen“, sagt Michael Dohr (25). „Anfangs ist es ein Handwerk, und je mehr es dem Ende zugeht, desto mehr kommt man in Trance, wo ich einfach nicht mehr aufhören kann. Ich male oft bis in der Früh.“ Seine neuesten Serien „Faces“, „Die Emanzipation des Stiefmütterchens“ und „Von faulen Früchten, alten Blättern und anderen Deformationen“ – die neueste Serie hat er noch nicht betitelt, „das kommt noch“ - zeugen von Talent und Können zugleich. Seine Karikaturen, beliebte Geburtstagsgeschenke, treffen den Nagel auf den Kopf, seine „Faces“ werden oft für Fotographien gehalten, obwohl sie durch und durch gemalt sind. „Meine Arbeiten sind vor allem Inszenierungsversuche. Die sehr realistisch ausgearbeiteten Motive wie etwa Gesichter, Blüten, alte Blätter oder faule Früchte werden ihrer natürlichen Umgebung entrissen und auf der Leinwand, eingefügt in einen abstrakten Hintergrund, neu inszeniert. Die Bilder sind ihrem Aufbau nach vielschichtig und aufwendig. Sie entstehen in einem ständigen Prozess der Zerstörung und des Neuentstehens. Erfolg und Misserfolg liegen dabei nahe beieinander. Zum Einsatz kommen Acryl- und Ölfarben, Farbpigmente, Sand, Kohle, Kreide, Lack sowie Zeitungspapier, das als Collage auf die Leinwand aufgebracht wird.“
 In beruflicher Hinsicht jedoch hat er sich anders orientiert, studiert Dolmetschen und Übersetzen für Italienisch und Englisch in Graz. Ob es ihn reizen würde, Kunst zu studieren? „Natürlich. Man kann so viel lernen, alles aber nicht. Das Feeling muss man einfach haben. Viele Sachen sind perfektes Handwerk. Wenn dann etwas Eigenständiges dazukommt, wird es etwas Besonderes.“ Davon zeugen die überdimensionalen und ebenso beeindruckenden Werke, die er – so scheint es – mal eben so aus dem Ärmel schüttelt. Und das immer mit Musik: „Das brauche ich einfach. Da merkt man dann erst, wie die Zeit vergeht. Die Stunden verfliegen.“ Ob Michael Dohr Vorbilder hat? – „Man braucht immer jemanden, wo man sich anhalten kann. Vor allem in der Anfangsphase. Man lernt dadurch, und mit der Zeit kommt eine gewisse Eigenständigkeit, die sich auch entwickeln sollte.“ Das hat es bei ihm. Seine Bilder zeigen etwas völlig Neues, eine Mischung aus konkreter und abstrakter Kunst, die dazu verführt, immer wieder aufs Neue hinzusehen.
Kontakt: Michael Dohr Tel. 0664 / 86 33 730 www.mdohr.com Text : Margot Gupper für die Wolfsberger Zeitung 2008 |