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Maria Schell

Maria Schell im Lavanttal & Wolfsberg

Informationen zur Maria Schell Ausstellung im Schloss Wolfsberg.
(links)Bis wir uns Wiederseh'n (Gustav Ucicky, 1952). Mit O.W. Fischer. (rechts) Maria Schell 1956 bei den Int. Filmfestspielen Venedig mit der Coppa Volpi, dem Preis für die beste schauspielerische Leistung.
(links)Bis wir uns Wiederseh'n (Gustav Ucicky, 1952). Mit O.W. Fischer. (rechts) Maria Schell 1956 bei den Int. Filmfestspielen Venedig mit der Coppa Volpi, dem Preis für die beste schauspielerische Leistung.

Die Schauspielerin Maria Schell (* 15. Jänner 1926 in Wien, Kärnten; † 16. April 2005 in Preitenegg , Kärnten) zählt zu den großen Kino-Stars der 1950er-Jahre. Mit ihrem „Lächeln unter Tränen“ eroberte die Schauspielerin die Herzen der Deutschen, später die des europäischen und des Hollywood-Publikums. Gemeinsam mit O.W. Fischer verkörperte sie das Traumpaar der Adenauer-Ära. Der internationale Durchbruch gelang ihr als Lazarett-Oberschwester in Helmut Käutners Antikriegs-Film Die letzte Brücke, für den sie 1954 in Cannes ausgezeichnet wurde. 1956 erhielt sie in Venedig den Coppa Volpi für die Titelrolle der Wäscherin in der realistischen Zola-Adaption Gervaise. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere arbeitete sie mit bedeutenden Regisseuren wie Luchino Visconti und Anthony Mann zusammen und drehte mit den bekanntesten Leading Men: Jean Marais, Marcello Mastroianni, Yul Brynner und Gary Cooper.
Sie galt als talentierte und professionelle Schauspielerin, geschult in europäischer Schauspieltradition und fünf Sprachen fließend beherrschend. Ihren Facettenreichtum bewies sie in Theater, Film und Fernsehen.

Die Ausstellung

Das Deutsche Filmmuseum, Frankfurt am Main, würdigte Maria Schell mit einer Sonderausstellung und Filmreihe vom 15.Juli bis zum 28. Oktober 2007 im Schloss Wolfsberg. Der begleitende Katalog erscheint im Henschel-Verlag und ist im Handel erhältlich. Präsentiert wurden unter anderem zahlreiche Fotos, persönliche Arbeitsmaterialien, Produktionsunterlagen und zeitgeschichtliche Dokumente aus dem umfangreichen Nachlass von Maria Schell, der nach ihrem Tod am 26. April 2005 an das Deutsche Filmmuseum übergeben wurde. Bruder Maximilian Schell, Sohn Oliver und Tochter Marie Theres hatten das Kuratorenteam unterstützt.

Die Ausstellung veranschaulichte in acht Stationen den künstlerischen Werdegang Maria Schells anhand von Fotografien und Exponaten aus ihrem Nachlass. 37 an der Decke angebrachte Porträts von der Jugendzeit bis in die späten Jahre führen durch die Ausstellung. Schlusspunkt der Ausstellung bildet das Gemälde von Gottfried Helnwein aus dem Jahr 2001, das die Schauspielerin in jungen Jahren zeigt und bis zuletzt in ihrem Haus hing.

Weitere Fotografien im Rundgang zeigten Maria Schell in Arbeitskontexten – am Set mit Regisseuren wie Helmut Käutner, Wolfgang Staudte oder Luchino Visconti – oder verdeutlichen bestimmte Konstellationen, etwa die Traumpaar-Bildung mit männlichen Stars wie Dieter Borsche, O. W. Fischer, Yul Brynner oder Gary Cooper. Vier Großprojektionen montieren Filmausschnitte der „Erfolgsjahre“ zwischen 1950 und 1961 nach thematischen Stichpunkten. Ihre vielfältigen Produktionen nach 1961 können die Besucher individuell an 6 Monitorstationen verfolgen.

Neben dem filmischen Schaffen widmete sich die Ausstellung auch ihren Anfängen auf der Theaterbühne sowie der Künstlerfamilie Schell und deren Rückszugsort, der Alm im österreichischen Preitenegg, wo Maria Schell ihre letzten Jahre verbrachte. Unvergesslich bleibt ihr letzter öffentlicher Auftritt im Jahre 2002: Maximilian Schell erhält den Bambi für die beste Regie für den Dokumentarfilm MEINE SCHWESTER MARIA und Maria Schell ihren 8. Bambi für ihr Lebenswerk.

Schloss Wolfsberg bezaubert nicht nur architektonisch als ein „filmreifes“ Hauptwerk des romantischen Historismus, in zehn Repräsentations- und Schauräumen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein berührendes und außergewöhnliches Ausstellungserlebnis.

Der Katalog zur Ausstellung

Der zur Ausstellung erschienene Katalog widmet sich dem vielfältigen Schaffen von Maria Schell. Die Autorinnen und Autoren unterschiedlichen Hintergrunds betrachten Maria Schells Arbeiten unter verschiedenen thematischen Schwerpunkten. Für Recherchen stand erstmals ihr persönlicher Nachlass zur Verfügung. Die kritische Auseinandersetzung wird ergänzt durch sehr persönliche Texte. In einer Nahaufnahme erinnern sich ihre Kinder Oliver Schell und Marie Theres Kroetz Relin, ihr langjähriger Rechtsanwalt Gunter Fette sowie die Kollegin Maria Furtwängler. Vorangestellt ist dem Band ein Grußwort von Maximilian Schell. Der umfangreiche Anhang dokumentiert erstmals ausführlich alle künstlerischen Produktionen mit Maria Schell. Er enthält u. a. eine Filmo-, Theatro- und Diskografie sowie einen Blick in den Nachlass.

Zur Filmreihe Maria Schell

Die begleitende Filmreihe des Deutschen Filmmuseums zeigt eine repräsentative Auswahl an Filmen, in denen die Schauspielerin zu sehen ist. Besonderes Augenmerk gilt dabei den internationalen Produktionen. Zudem werden thematisch oder inhaltlich verwandte Werke vorgestellt und zu den Maria-Schell-Filmen in Bezug gesetzt.

Zu den einzelnen Katalogartikeln

In „Ein Komet der Gefühle“ beschreibt Dieter Bartetzko die Wirkung der Maria Schell und gibt einen Überblick über die Wahrnehmung ihres Spiels im Laufe ihrer Karriere. Johannes Kamps verfolgt über „Zürich - Wien – London“ die frühen Filmwege der aufstrebenden Schauspielerin.

Einen Fokus auf die fünfziger Jahre legen Henning Engelke, der Maria Schells Wirkung unter dem Aspekt der „melodramatischen Imagination“ betrachtet und Ursula Vossen, die sich mit einer Analyse der Traumpaar-Konstellationen von Maria Schell und ihren Filmpartnern beschäftigt. Claudia Hennen widmet sich den beiden Gerhard Hauptmann-Verfilmungen Die Ratten (1955) und Rose Bernd (1956/1957) und geht dabei auf die gesellschaftspolitischen Kontexte der Zeit ein. Dabei zeigt sich: Das pauschale Urteil über den westdeutschen Nachkriegsfilm – wirklichkeitsfern, politisch gleichgültig, sentimental – lässt sich nicht halten.

Die größte Auswirkung auf Maria Schells Karriere hatten Die letzte Brücke (1953/1954) und Gervaise (1955/1956). Sie verhalfen ihr zu internationalem Durchbruch und begründeten ihren Ruf als Charakterdarstellerin. Diese glanzvollen Jahre zwischen 1953 und 1957 beschreibt Sabine Gottgetreu im Kontext ihres europäischen Filmschaffens. „Visconti mochte meine Intensität“, sagte Maria Schell über den italienischen Regisseur, der wie kein anderer ihr melodramatisches Potential erkannte. In „Ein schöner Coup“ schildert Alfons Maria Arns die Zusammenarbeit bei Le Notti Bianche mit Marcello Mastroianni und Jean Marais als Filmpartner von Maria Schell.

Susanne Weingarten geht in „Amerikanischer Männertraum?“ der Frage nach, wie das US-Starsystem Maria Schell aufnahm und erläutert dabei die unterschiedlichen Weiblichkeitsrepräsentationen im Amerika der fünfziger Jahre. Nachdem Maria Schell mit Gervaise eine der Romanheldinnen der französischen Literatur verkörpert hatte, hielt ihr Erfolg im Nachbarland an.

Ines Steiner analysiert in ihrem Beitrag „Non, non, ne tirez pas votre mouchoir“ die französischen Filmrollen. „Die neue Schell“ verkündeten die Boulevardblätter Anfang der siebziger Jahre. Mit ihrem zweiten Ehemann Veit Relin produzierte Maria Schell Theaterstücke und Filme – und so manche Schlagzeile.

Über die wilden Jahre des Künstlerpaars schreibt Eva-Maria Magel in ihrem Text „Genialisch war sie ja sowieso“. Beide verbindet vor allem die Liebe zum Theater, eine Leidenschaft, die sich durch ihr gesamtes künstlerisches Leben zieht. Auf dieses Thema geht Johannes Kamps in seinem Artikel „Theater ist fast wie eine Droge“ ein. Abschließend beschäftigt sich Reinhard Kleber mit der Fernsehserie Die glückliche Familie, einer Serie, durch die Maria Schell einer ganzen Generation in Erinnerung ist.

Biographie

Familie Schell (v.l.n.r.: Carl, Maria, Hermann Ferdinand, Immy, Margarethe und Maximilian,um 1960.

Als Maria Margaretha Anna Schell, genannt „Gritli“, wurde sie am 15. Januar 1926 in Wien in eine Großfamilie hinein geboren. Die Schells waren und sind bis heute eine Künstlerfamilie – von Marias Eltern, der österreichischen Schauspielerin Margarethe Noé von Nordberg und dem schweizer Schriftsteller Hermann Ferdinand Schell, bis zu ihren Kindern: Sohn Oliver ist freier Theatermacher, Tochter Marie Theres arbeitete früher als Schauspielerin und ist heute Journalistin und Autorin.
Maria Schell war zwei Mal verheiratet: von 1957 bis 1965 mit dem deutschen Regisseur Horst Hächler und von 1966 bis 1986 mit dem österreichischen Maler, Schauspieler und Regisseur Veit Relin.

Ihren ersten Bühnenauftritt hat Maria mit sieben Jahren in der Urania in Wien. Die Familie Schell wohnt in den 1930er Jahren zunächst abwechselnd auf ihrer Alm in Preitenegg / Kärnten und in der Stadtwohnung in Wien. 1938, kurze Zeit nach dem "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich, geht der den Nationalsozialisten gegenüber kritisch eingestellte Hermann Ferdinand Schell mit Frau und Kindern in die Schweiz. Die Familie trennt sich vorübergehend. So wird Maria Schell auf eine Klosterschule im elsässischen Colmar geschickt, doch nach Kriegsbeginn darf sie bei den Eltern in Zürich bleiben.

Die Lehrjahre der angehenden Schauspielerin beginnen in Zürich, wo die Familie seit 1938, dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland, lebt. Bereits 1942 spielt Maria Schell ihre erste kleine Rolle in dem Film Steibruch (CH 1942, R: Sigfrit Steiner). Nachdem sie mit 14 Jahren eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, besucht sie die Schauspielschule in Zürich. Nach dreimonatigem Besuch der Schauspielschule erhält sie 1942 ein Engagement am Rudolf-Bernhard-Theater in Zürich, 1944/45 steht sie beim Städtebund-Theater Biel-Solothurn unter Vertrag, 1946/47 am Stadttheater Bern sowie am Schauspielhaus Zürich. 1948 feiert sie mit dem Film Der Engel mit der Posaune (A 1947/48, R: Karl Hartl) erste Erfolge. In den folgenden Jahren pendelt die gefragte junge Schauspielerin zwischen Zürich, Wien und London, bis schließlich der deutsche Film sie entdeckt. Mit Produktionen wie Es kommt ein Tag (BRD 1950, R: Rudolf Jugert) an der Seite von Dieter Borsche oder Bis wir uns wiedersehen (BRD 1952, R: Gustav Ucicky) mit O.W. Fischer wird sie zum Star des deutschen Nachkriegskinos.

Der internationale Durchbruch gelingt ihr mit der Hauptrolle in Helmut KäutnersDie letzte Brücke, für den sie bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wird. 1956 erhält sie in Venedig die Coppa Volpi für die Titelrolle der Wäscherin in der realistischen Zola-Adaption Gervaise. Es folgen Engagements in Hollywood: The Brothers Karamzov (USA 1957/58, R: Richard Brooks) mit Yul Brunner, The hanging Tree (USA 1958/59, R: Delmer Davis) mit Gary Cooper und Cimarron (USA 1959-61, R: Anthony Mann) mit Glenn Ford. Neben ihrer Arbeit bei internationalen Filmproduktionen steht Maria Schell immer wieder auf der Theaterbühne. Versehen mit einem enormen Arbeitspensum wechselt sie in diesen Jahren Film-Set und Bühne, pendelt zwischen den USA, Deutschland, Frankreich und Österreich. Erste Erfahrungen mit dem Medium Fernsehen sammelt Maria Schell bereits in den 60er-Jahren in den USA. Seit den frühen 1970er Jahren ist sie verstärkt im deutschen Fernsehen präsent, z.B. in Episodenhauptrollen beliebter Krimiserien wie Derrick oder Der Kommissar, aber auch in einigen bemerkenswerten Fernsehspielfilmen wie Marie (1972, Regie Hans W. Geissendörfer) und Immobilien (1973, R: Otto Jägersberg).

1991). Im Kreise der Darsteller (v.l. Julia Heinemann, SusannaWellenbrink, Siegfried Rauch, Maria Furtwängler).

Einer ganzen Generation ist Maria Schell durch ihre Hauptrolle der Mutter Maria in der ARD- Vorabend-Serie Die glückliche Familie bekannt. Als liebevolle Mutter von drei Töchtern regelt sie Haushalt und Karriere, kümmert sich um die Kinder, den Ehemann und die großen und kleinen Probleme der Familie Behringer. Einen letzten großen Publikumserfolg hatte Schell mit der Fernseh-Serie Die glückliche Familie (1987 bis 1993). Ein Suizidversuch brachte Schell 1991 in die Schlagzeilen. 1994/1995 spielte sie in der Fernsehsaga Der Clan der Anna Voss, was eine ihrer letzten Fernsehserien war.

Maria Schell erhielt zahlreiche Filmpreise und Ehrungen: Acht mal den Bambi, die Goldene Palme, den Deutschen Filmpreis sowie das Bundesverdienstkreuz.

Seit Mitte der 1990er Jahre sieht man Maria Schell immer seltener auf den deutschen Bildschirmen. Sie lebt zurückgezogen auf der Alm in Preitenegg / Kärnten, die Yellow Press berichtet schonungslos über ihr Privatleben. 2002 zeichnet Maximilian Schell in seinem Dokumentarfilm Meine Schwester Maria ein persönliches Portrait seiner Schwester, für das er mit dem Bambi für die beste Regie ausgezeichnet wird. Gleichzeitig erhält Maria Schell ihren 8. Bambi, denBambi für ihr Lebenswerk. Es ist ihr letzter öffentlicher Auftritt.

Vor Ostern 2005 kam sie wegen Atembeschwerden ins Krankenhaus. Maria Schell starb am 26. April 2005 an Herzversagen als Folge einer Lungenentzündung. Ihre Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof Preitenegg / Kärnten.

Tribute to Maria Schell

Tribute to Maria Schell

Übersicht Filme mit Maria Schell

Quelle und Erlaubnis: Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main
www.deutsches-filminstitut.de
www.deutsches-filmmuseum.de
www.maria-schell.de

Bernd Krammer von Lovntol.at

★★★★★ von
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