| Geschichte Lavanttal |
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Überblick Die Wurzeln der Geschichte Kärntens reichen bis in die Altsteinzeit zurück. In der Antike war auch das Gebiet des heutigen österreichischen Bundeslandes Kärnten Bestandteil des keltischen Königreichs Noricum, ein erstes Staatengebilde in diesen Regionen, das später in der römischen Provinz Regnum Noricum aufging. Nachdem die Slawen die Römer um das Jahr 600 vertrieben und einen eigenen Staat Karantanien gebildet hatten, gewannen nach und nach auch baierische bzw. fränkische Einflüsse in Kärnten an Gewicht. Von 743 bis 907 herrschten fränkische Könige und Kaiser über das Gebiet, anschließend wurde Kärnten ein Teil des Herzogtums Baiern. 976 begann eine Phase der Eigenständigkeit des Herzogtums Kärnten, die bis 1335 andauerte; in diese Zeit fallen zahlreiche Klostergründungen sowie der Bau von Schlössern und Befestigungsanlagen. Anschließend wurde Kärnten von den Habsburger regiert und mit Österreich, Steiermark und Krain vereinigt.In der darauf folgenden Zeit bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Kärntens Schicksal zunächst von den Türkenkriegen, den Bauernaufständen und von den Auswirkungen der Reformation und Gegenreformation geprägt. Unter Maria Theresia kam es Ende des 18. Jahrhunderts zu Reformen, die die Macht der Stände beschnitten und den Bauern das Recht an ihrem Besitz zusicherten; Kärnten verlor seine administrative Selbständigkeit. Einen weiteren Rückschlag in der Entwicklung des Landes hatten die Koalitionskriege ab 1797 zur Folge als schließlich 1809 ganz Oberkärnten an Frankreich fiel. Im Jahre 1813 kamen diese Landesteile wieder an Österreich, sie wurden aber nunmehr einem habsburgischen Königreich Illyrien angegliedert. Nach dem Revolutionsjahr 1848 erlangte Kärnten im Jahr 1849 die Selbständigkeit und Landeseinheit zurück; von 1867 bis 1918 war es Kronland in Österreich-Ungarn. Nach Gebietsverlusten im Süden des Landes als Folge des Ersten Weltkriegs behielt Kärnten als Bundesland der Republik Österreich seine damaligen Grenzen bis heute bei. Vorgeschichte und RömerzeitUr- und Frühgeschichte Die ältesten Besiedlungsspuren in Kärnten sind die in der Griffener Tropfsteinhöhle im Burgberg von Griffen: Die dort gefundenen Steingeräte stammen aus der Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) und sind 30 bis 40.000 Jahre alt. Weitere Einzelfunde stammen aus der Mittelsteinzeit (Mesolithikum), und für die Zeit ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. häufen sich die archäologischen Funde auf Kärntner Boden, größere Siedlungen gab es wohl am Strappelkogel im Lavanttal, bei Maria Saal und bei Villach. Im Keutschacher See wurden Reste einer Pfahlbausiedlung gefunden, die aus der Zeit von ca. 2500 bis 1500 v. Chr. stammt, allerdings auch einzigartig in Kärnten ist. Auch aus der Bronzezeit gibt es einige Fundstücke. Neben bronzenen Werkzeugen und Waffen, die möglicherweise auf eine frühzeitliche Handelstätigkeit mit dem kupferreichen Siebenbürgen schließen lassen, stammt auch der älteste Skelettfund auf Kärntner Boden (St. Salvator bei Friesach) aus der Zeit um 2000 v. Chr. In der letzten prähistorischen Epoche, der Eisenzeit, betrieb man in Kärnten bereits während der als Urnenfelderkultur bezeichneten Zeit intensiv Ackerbau. In der Hallstattkultur wurde reger Handel mit Salz und mediterranen Produkten betrieben, für die späte Hallstattzeit gibt es Fundstücke mit Schriftzeichen aus Dellach im Gailtal, wohl die ältesten Schriftdenkmäler Österreichs. Der keltische Staat Noricum Etwa um 300 v. Chr. schlossen sich mehrere keltische und illyrische Stämme unter der Führung der Noriker zusammen und errichteten den mächtigen keltischen Staat Noricum mit einem befestigten Hauptort auf dem Magdalensberg als Zentrum im heutigen Kärnten. Sie prägten eigene Münzen und unterhielten weitreichende Handelsbeziehungen. Die Noriker waren bekannt für den Abbau von Salz und Eisen, wertvolle Handelsgüter, mit denen sie schon früh mit den Etruskern Handel trieben. Es ist damit das wohl erste politische Gebilde auf dem Gebiet des heutigen Österreichs, das sich im Lauf der darauf folgenden Jahrhunderte im Norden etwa bis zur Donau erstreckte. Mit den Römern erreichte der norische König Cincibilus ab 170 v. Chr. durch ein „hospitium publicum“ (lat. für „staatliche Gastfreundschaft“) ein freundschaftliches Verhältnis. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erreichte Noricum unter Voccio eine bedeutende Ausdehnung nach Osten und Norden. Die Beziehungen mit den Römern weiteten sich über die Handelstätigkeit hinaus aus, so sandte Voccio 49 v. Chr. Julius Caesar im beginnenden Bürgerkrieg am Rubikon zur Unterstützung 300 Reiter. Die römische Provinz Regnum Noricum Die Römer weiteten ihren Einfluss in der Region beständig aus; das gesamte Königreich Noricum wurde schließlich auf friedlichem Weg um 15 v. Chr. von den Römern besetzt, Hauptort wurde der Magdalensberg. Etwa 45 n. Chr wurde Noricum unter Kaiser Claudius (41 -54 n. Chr.) in eine römische Provinz unter einem kaiserlichen Statthalter mit Sitz in Virunum auf dem Zollfeld umgewandelt. Neben Virunum lag auch noch die Stadt Teurnia auf heute Kärntner Boden. Durch die starke Romanisierung entfaltete sich eine blühende provinzialrömische Kultur. Im Kärntner Zentralraum war die Besiedlung sehr dicht, besonders in Unterkärnten. Wichtige weitere Siedlungen waren Santicum (Villach) und Iuenna (Globasnitz). Wirtschaftlich bedeutend waren der Bergbau nach Eisen, Gold und Blei, daneben auch die Landwirtschaft. Wichtige Heiligtümer außerhalb der Siedlungen waren etwa das Noreia-Heiligtum in Hohenstein oder der Latobius-Tempel in Burgstall-St. Margarethen. Unter Diokletian (284-305) wurde die Provinz entlang des Alpenhauptkamms in Noricum ripense („Ufernoricum“) und Noricum mediterraneum („Binnennoricum“) aufgeteilt. Sitz Binnennoricums wurde Teurnia, das auch Bischofssitz war. Bis 395, dem Zusammenbruch des pannonischen Limes, kam es in Binnennorikum zu einer relativ ruhigen Nachblüte. Seit dem 5. Jahrhundert wurde das Römische Reich von germanischen Stämmen bedrängt. In Binnennoricum zog sich die Bevölkerung aus den Siedlungen im Tal in befestigte Höhensiedlungen und Kastelle zurück, lediglich Teurnia, das ohnehin auf einer Anhöhe lag, blieb besiedelt. Höhensiedlungen lagen etwa auf dem Hemmaberg, dem Ulrichsberg, Grazerkogel und dem Duel. Kennzeichnend für diese Höhensiedlungen sind jeweils frühchristliche Kirchen, auf dem Hemmaberg wurden sogar fünf Kirchen ergraben. Nach mehreren Einfällen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (Ljubljana) über die Karnischen Alpen kommend, erstmals in Noricum ein, worüber damals der römische Heerführer Stilicho das Kommando führte. Stilicho verbündete sich mit Alarich, wurde aber aufgrund dieses Paktes des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet. Sein Nachfolger Jovius verweigerte aufgrund eines Eides, den alle römischen Beamten abzulegen hatten und der einen Frieden mit Alarich verbot, diesem die Überlassung der Provinzen. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu können. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die römische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des Königs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schließlich, ohne dass diese die Kontrolle über das Noricum erlangt hatten. Unter Kaiser Justinian I. eroberte das Oströmische Reich zwischen 535 und 555 Italien von den Goten zurück. MittelalterFürstentum KarantanienBedrängt vom mongolischen Reitervolk der Awaren strömten um das Jahr 590 vom Osten her Slawische Stämme in das Gebiet des heutigen Kärnten ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bevölkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, in einer blutigen Schlacht im Raum Lienz geschlagen wurden. Ein weiteres Vordringen nach Süden haben die Langobarden im Friaul verhindert. So ließen sich Slawen in den Tälern von Drau, Mur und Save nieder. Um das Jahr 600 entstand hier das slawische Fürstentum Karantanien. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den südöstlichen Alpenraum. Für die Bewohner dieses Fürstentums wurde die Bezeichnung Karantanen gebräuchlich. Zentrum Karantaniens war das Zollfeld, wo die Karantanen auch den Fürstenstein hinterließen, die umgedrehte Basis einer römischen Säule, die dazu diente, die in Karnburg residierenden Fürsten rituell einzusetzen. Dieser Brauch wurde später von den Kärntner Herzögen übernommen und in das Ritual der Herzogeinsetzung integriert. Der alte, auf das Reich in der Eisenzeit zurückgehende Landesname Karantanien – vermutlich abgeleitet vom keltischen „carant“ (Freund, Verwandter) – zeigt an, dass hier Traditionen weitergegeben wurden, wohl durch die verbliebenen einheimischen Keltoromanen. Die Bezeichnung „Carontani“ wurde nachweislich um 700 vom Geografen von Ravenna erstmals erwähnt und die spätere Form „Carantanum“ für das Gebiet des Volkes der Slawen ist vor dem Jahr 800 vom Geschichtsschreiber Paulus Diaconus belegt[1]. Von den deutschen Nachbarn wurden die Karantanen mit dem germanischen Sammelnamen für die slawischen Völker als „Windische“ bezeichnet. Im Zusammenhang mit der Slawenmission in Karantanien entstanden mit den slowenischsprachigen Freisinger Denkmälern auch die ältesten Zeugnisse einer slawischen Sprache in lateinischer Schrift. Die slawischen Karantanenfürsten, die sich sowohl der Angriffe der Awaren im Osten als auch der von Norden in das Gebiet drängenden Franken erwehren mussten, schlossen Karantanien wohl zunächst dem großen Slawenreich des Samo an. Als dieses aber den Awaren gegenüber tributpflichtig wurde, ersuchte Borouth (slow. Borut), der erste uns namentlich bekannte Slawenfürst, die Baiern vor 743 um Hilfe gegen die Awaren, die von Herzog Odilo von Bayern auch gewährt wurde, allerdings unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fränkischen Oberhoheit. Herzogtum Baiern und Fränkisches Reich Die Einflussnahme der Baiern in Kärnten wurde durch erste christliche Missionen des Bistums Salzburg im 8. Jahrhundert begleitet. Bischof Virgilius ließ den Sohn und den Neffen Borouths, der selbst noch Heide war, als Geiseln nach Salzburg bringen und christlich erziehen. Nach dem Tod Borouths regierten zunächst sein Sohn Cacatius (slowenisch Gorazd) und seit 752 sein Neffe Cheitumar (slow. Hotimir) . Cheitumar bat Virgilius um die Christianisierung des Landes. Dieser entsandte 767 Modestus als Vikar sowie weitere Kleriker nach Karantanien. Nach dem Tod von Modestus gab es zwei Aufstände der heidnischen Karantanier, ein dritter Aufstand folgte nach dem Tod von Cheitumar im Jahr 770. Die Rebellen konnten die Truppen von Valhun, dem Nachfolger Cheitumars, besiegen und vertrieben die christlichen Missionare. Daraufhin zog der Herzog von Baiern Tassilo III. im Jahr 772 mit Truppen nach Karantanien, schlug den Aufstand zurück und Valhun wurde wieder als Herzog eingesetzt. Im Zuge der Christianisierung entstanden im Auftrag des Bischofs Virgilius von Salzburg vor 767 zwei Kirchen in Teurnia und Maria Saal, des weiteren wurden die ersten Klöster, die auch der Heranholung von Siedlern aus dem Altland diente, gegründet, zu den ersten gehören Innichen (769, heute Südtirol) und Kremsmünster (777, heute Oberösterreich). Mark Karantanien zur Zeit Karls des GroßenNachdem Karl der Große, seit 768 König der Franken und von 800 an Kaiser, Tassilo im Jahr 788 abgesetzt hatte, bedeutete dies das Ende des baierischen Stammesherzogtums. Karantanien wurde gemeinsam mit Baiern und den anderen bis dahin mit Baiern verbundenen Gebieten dem von den Karolingern geschaffenen Fränkischen Reich angegliedert und Reichsbeamten unterstellt. Karl setzte die Expansionspolitik im südöstlichen Raum seines Reichs fort, unterwarf die Awaren und verleibte das benachbarte westliche Pannonien ein, so dass die südöstlichen Grenzen seines Reichs vom Plattensee bis an die Adriaküste nach Istrien reichte. Um 820 lösten fränkische Markgrafen die Stammesfürsten slawischer Abstammung in Karantanien, die bis dahin noch eine gewisse Autonomie des Gebiets gewährleistet hatten, als Landesherren ab. Die Besitzungen der Slawen wurden Königsland, und die bayerischen Bistümer wurden mit Gebietsschenkungen dotiert. Die kirchlichen Grundherren holten weitere Siedler nach Ober- und Mittelkärnten, der geringer werdende slawische Bevölkerungsanteil assimilierte sich allmählich. Der fränkische König Ludwig der Deutsche übertrug 856 seinem Sohn Karlmann Baiern und Karantanien. Dieser weitete daraufhin seinen Einflussbereich auf weitere Gebiete im Ostland aus und verlegte den Mittelpunkt seiner Herrschaft nach Karantanien. Seinem unehelichen Sohn, Arnulf von Kärnten, übertrug er 876 zunächst die Präfektur Pannoniens und die Mark Karantanien. Nach dem Tod des ostfränkischen Königs Karlmann im Jahr 880 erbte er Karantanien, wurde dann 887 selbst König des Ostfrankenreiches und schließlich 896 Römischer Kaiser. Eine der wichtigsten seiner Pfalzen war die Karnburg („Curtis Carantana“), die er zur Festung ausbauen ließ. Als Kaiser vereinigte er für kurze Zeit und zum letzten Mal in der Geschichte die Teile des Frankenreichs unter einer Regentschaft. Er gilt als letzter bedeutender Herrscher aus dem Haus der Karolinger; sein Sohn Ludwig das Kind trat 899 im Alter von sechs Jahren die Nachfolge an und starb 911 als letzter ostfränkischer Karolingerkönig. Bereits 893 wurde Luitpold von Arnulf als Markgraf von Karantanien und Oberpannonien eingesetzt. Der Namensgeber des Geschlechts der Luitpoldinger, dessen Nachfolger noch bis 947 in Karantanien regierten, starb 907 bei der Schlacht von Pressburg, in der die Ostfranken eine der verheerendsten Niederlagen während der Ungarnkriege erlitten. Nach den Luitpoldingern herrschten die baierischen Herzöge Heinrich I. (von 947 bis 955) und Heinrich II. (von 955 bis 976) über Karantanien. Herzogtum Kärnten Nachdem Heinrich II. der Zänker, Herzog des durch die Marken im Süden und Osten mächtig angewachsenen Baiern, vergeblich versucht hatte, unter den Stammesherzögen einen Aufstand gegen seinen Vetter, Kaiser Otto II., anzuzetteln, beschloss dieser, Kärnten 976 von Baiern abzutrennen, um so die Macht des Baiernherzogs zu verringern. Kärnten wurde damit eigenständiges Herzogtum neben den alten Stammesherzogtümern Baiern, Schwaben, Franken und Sachsen, und somit die älteste Ländereinheit auf dem Boden der heutigen Republik Österreich. An Stelle der Bezeichnung Karantanien kam im Lauf der Zeit immer häufiger „Kärnten“ bzw. die lateinische Form „Carinthia“ in Gebrauch. Unter der Verwaltung des Herzogtums standen - nördlich und östlich des Kernlandes die Karantanische Mark (die spätere Steiermark) - Gebiete hinter dem Drauwald (mit Pettau und Marburg) - die Grafschaft an der Sann um Cilli - die Mark Krain Zudem verwaltete der Herzog von Kärnten als Markgraf von Verona auch die Marken Verona, Friaul und Istrien. Die Herzöge selbst erhielten allerdings kaum Besitzungen, so dass sie auch schnell wieder abgesetzt werden konnten und auch wurden; die Kaiser legten Wert auf die Kontrolle über das Herzogtum. Frühe NeuzeitTürkenkriege und BauernaufständeIm Zeitraum von 1473 und 1483 fielen türkische Heerscharen fünf mal in Kärnten ein. Nach der Erstürmung Konstantinopels im Jahre 1453 drangen die Türken durch das Gebiet des heutigen Balkan weiter nach Westen vor und bedrohten im Jahre 1469 zum ersten Mal die Grenzen Krains. Als man von der neuen Gefahr erfuhr, wurden die Kirchen und Herrschaftssitze fieberhaft ausgebaut und die Pässe an der Südseite des Landes abgesichert. Um die Kosten dafür aufzubringen, beschloss der Ständetag in Völkermarkt, eine Leibsteuer einzuführen, die jede Person, unabhängig von Alter und Stand zu entrichten hatte. Ende September 1473 fielen die Türken über den Seebergsattel kommend in das Jaunfeld ein und zogen fünf Tage lang plündernd und brandschatzend bis nach Mittelkärnten und das Glantal. Militärisch konnte das Land dem Reitervolk nichts entgegensetzen, so dass sich die Ritter, Adligen und Geistlichen in ihren Burgen verschanzten, während der größte Teil des Volks dem Überfall schutzlos ausgeliefert war. Drei Jahre später brachen die Türken erneut nach Kärnten ein, diesmal vom Savetal her, brannten Arnoldstein nieder, verwüsteten das Gailtal und das Gebiet um Villach. Sie ließen sich in der Drauschlinge bei Wernberg (die Gegend heißt heute noch "Türkei") nieder, von wo aus sie ihre Raubzüge fortsetzten. Kärnten im 18. Jahrhundert Unter Maria Theresia kam es zu verschiedenen Reformen in der Verwaltung (Kreiseinteilung) und Steuererhebung (Steuerrektifikation), die das Ziel hatten, die Verwaltung der Monarchie zu vereinheitlichen und die Macht der Stände zu beschneiden. 1772 wurde auch das gesetzliche Erbrecht der Bauern an ihrem Besitz verfügt. 1759 wurden durch Kauf die in Kärnten gelegenen Besitzungen des Bistums Bamberg erworben; dadurch kamen unter anderem Villach und das Kanaltal, Feldkirchen, Griffen, Wolfsberg, Bad St. Leonhard und das obere Lavanttal in den Herrschaftsbereich der Habsburger als Kärntner Herzöge. Nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. 1781 bekannten sich über 14.000 Geheimprotestanten und bildeten evangelische Pfarren. 1782 verlor Kärnten durch die Unterstellung unter die Regierung in Graz seine administrative Selbständigkeit (mit Unterbrechungen von 1790 bis 1804). Das innerösterreichische Appellationsgericht kam nach Klagenfurt. Der Gurker Fürstbischof übersiedelte 1787 nach Klagenfurt. Die Diözese Gurk umfasste nun den größten Teil Kärntens. ModerneDie Koalitionskriege und die Folgen Nach dem Sieg der Französischen Revolution befand sich 1792 halb Europa im Krieg mit Frankreich (siehe Koalitionskriege). Zunächst nicht von Kampfhandlungen betroffen, wurde Kärnten im Zuge des oberitalienischen Feldzugs 1797 Angriffsziel Napoléon Bonapartes. Am 27. März marschierten französische Truppen unter Führung von General André Masséna vor Klagenfurt auf. Die Stadt wurde den Angreifern kampflos überlassen, zwei Tage später kam Napoléon selbst in die Stadt und bestätigte hier eine provisorische Stadtverwaltung („Centralcommision“) Klagenfurter Bürger. Kurz darauf, am 18. April 1797, wurde der Vorfrieden von Leoben zwischen Frankreich und Österreich beschlossen und bereits am 24. Mai, nach dem Frieden von Campo Formio, verließen die Franzosen Klagenfurt wieder. Der Frieden hielt allerdings nicht lange, schon 1799 bis 1802 bekämpften sich die europäischen Großmächte im Zweiten Koalitionskrieg. Auch hierbei kam es nicht zu militärischen Auseinandersetzungen auf Kärntner Boden, dennoch organisierte sich in diesen Jahren eine Landesverteidigung, da man sich angesichts der Erfolge Napoléons in Italien auch weiterhin bedroht sah. Im selben Jahr zog Napoléon siegreich in Wien ein, Klagenfurt wurde im November 1805 zum zweiten Mal von französischen Soldaten besetzt. Nach dem Pressburger Frieden wurde Kärnten ein Grenzland, da Österreich Venedig und Dalmatien an die Republik Italien abtreten musste. Dem Land wurden schwere Kriegskontributionen auferlegt, dies sowie die Missernten der Jahre 1804 und 1805 brachten Kärnten an den Rand des Ruins. Alter Grenzstein Österreich – Frankreich von 1809 in Markstein Grenzstein Österreich – Frankreich im Norden Kärntens (1814)In den Folgejahren begann sich Widerstand gegen die aus den Koalitionskriegen resultierende Fremdherrschaft zu formieren. Von Tirol aus, das seit dem Pressburger Frieden unter bayerischer Herrschaft stand, führte Andreas Hofer die Aufständischen an, in Kärnten hatte Johann Baptist Türk den Oberbefehl über den „Kärntner Landsturm“. Am 9. April 1809 kam es erneut zum Krieg zwischen Frankreich und Österreich, in Kärnten wurden die Stellungen Malborghet im Kanaltal und auf dem Predilpass durch die Hauptleute Johann Hermann und Friedrich Hensel verteidigt, die allerdings beide in den Schlachten den Tod fanden. Bis zum Frieden von Schönbrunn besetzten die Franzosen Kärnten erneut und sprengten hierbei mehrere Befestigungsanlagen, wovon vor allem Klagenfurt betroffen war. Als weitere Folge des Kriegs wurde Oberkärnten mit der Stadt Villach vom Land abgetrennt und bildete als Teil von Napoléons „Illyrischen Provinzen“ das Département „Carinthie“. Nach Napoléons Niederlage in Russland konnte Villach zwar 1813 zurückerobert werden, das Gebiet wurde aber 1813/14 dem habsburgischen Königreich Illyrien mit der Hauptstadt Laibach zugeschlagen. Erst 1849 sollte Kärnten wieder selbständige Verwaltungseinheit werden. Nach der Revolution von 1848 Das Revolutionsjahr 1848, das in Österreich am 13. März mit blutigen Ausschreitungen in Wien begann, verlief für Kärnten relativ friedlich. Die errungenen Freiheiten äußerten sich – nach Wiener Vorbild – in der Aufstellung einer Nationalgarde sowie der Gründung des demokratischen „Kärntner Volksvereins“. Die neue politische Ordnung brachte den Bauern eine Grundentlastung von allen Abgaben an die Grundherrschaft und weitgehend gleichberechtigte Bürgerrechte. Ein erster frei gewählter Kärntner Landtag trat zusammen und forderte die Wiederherstellung der Selbständigkeit und Verwaltungseinheit des Landes. Diese Forderung wurde schließlich auch durchgesetzt, und 1849 wurde das alte Kronland Kärnten innerhalb der Habsburger Erbmonarchie wieder hergestellt, Klagenfurt wurde wieder zur Landeshauptstadt. Um nationalstaatlichen Bestrebungen entgegenzuwirken, wurden den Kärntner Slowenen Autonomierechte zugestanden. Mit dem provisorischen Gemeindegesetz vom 17. März 1849 wurden im Lauf des Jahres 1850 in Kärnten die 713 im Jahr 1785 geschaffenen Steuer- und Katastralgemeinden zu 181 Ortsgemeinden zusammengefasst. Seither gab es zwar einige Korrekturen, wie z. B. die Gemeindereform 1973, und Zusammenlegungen, ein Großteil der heute 132 Gemeinden hat ihre 1850 festgelegten Gebiete bis heute beibehalten. Der Kirche, die im Josephinismus dem Staat untergeordnet war, wurden weitreichende Rechte im Bereich Klerus, Eherecht und Schulwesen zugestanden. Das Bistum Lavant erhielt mit Marburg 1859 einen neuen Sitz, seine Kärntner Gebiete kamen an das Bistum Gurk, das auf diese Weise mit Kärnten deckungsgleich wurde. Hochofen in der Heft bei HüttenbergFür die einheimische Industrie erwies es sich als Vorteil, dass hier schon seit Jahrhunderten Bergbau betrieben wurde. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebte von der Eisenverarbeitung, dem Bergbau und der Holzkohleherstellung. Diese Produkte erlebten mit dem Siegeszug der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine enorme Nachfrage. Durch den Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz gewannen zwar die einheimische Industrie und der Handel zunächst an wirtschaftlicher Stärke, allerdings konnten die meisten Kärntner Betriebe langfristig mit der rasanten industriellen Entwicklung nicht Schritt halten: Viele Gruben und Werke mussten Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen werden, darunter zwischen 1901 und 1908 auch die Hochöfen in der Heft bei Hüttenberg. Ein Nebeneffekt des Anschlusses an das Schienennetz war, dass in Kärnten nach und nach der Fremdenverkehr zunahm; eine Entwicklung, die ab den 1930er Jahren zum systematischen Ausbau eines eigenen, heute für das Land sehr wichtigen Wirtschaftszweigs führte. Der Gebirgskrieg 1915-18 Knapp ein Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erklärte das zuvor neutrale Italien Österreich am 23. Mai 1915 den Krieg. Da Kärntens Außengrenzen bis zu diesem Zeitpunkt nicht bedroht waren, kämpften die Truppenverbände des Landes an der Ostfront. Man sah sich daher gezwungen, zunächst Freiwilligenverbände aufzustellen, die an der 100 km langen Grenze zu Italien den Feind aufzuhalten versuchten, bis reguläre Truppen eintrafen. In dem erbitterten Stellungskrieg in den Julischen und Karnischen Alpen verloren in den Wintermonaten auf beiden Seiten zahlreiche Soldaten ihr Leben, auch durch Lawinenabgänge. Zwischen 1915 und 1917 kam es zu insgesamt zwölf sogenannten Isonzoschlachten, die hunderttausende von Opfern kosteten. Abwehrkampf und Volksabstimmung Das Ende des Krieges bedeutete zugleich das Ende für das alte Herzogtum Kärnten: Die provisorische Kärntner Landesversammlung unter der Führung von Arthur Lemisch erklärte am 11. November 1918 den Beitritt zur Republik Deutschösterreich. Am 1. Dezember 1918 wurde das SHS-Königreich (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) gegründet. Dieses beanspruchte im Zuge der Ablösung Sloweniens vom österreichischen Staatenverbund das gesamte Südkärntner Gebiet, und bis Anfang Dezember hatten Truppen unter General Rudolf Maister bereits Ferlach, Völkermarkt und Bleiburg besetzt. Am 5. Dezember beschloss die Kärntner Landesversammlung, die ihrerseits die Südgrenze Kärntens entlang des Karawanken-Gebirgszug festgelegt haben wollte, den bewaffneten Widerstand. Bis zum 7. Mai 1919 wurden alle bis auf die laut Waffenstillstandsvertrag geräumten Gebiete entsetzt. Siehe Abwehrkampf im Lavanttal Aufgrund der Abkommen im Friedensvertrags von St. Germain von 1919 kam das Kanaltal an Italien, das Mießtal, Unterdrauburg und die Gemeinde Seeland (Kankertal) an das SHS-Königreich – was für Kärnten den Verlust von immerhin 8% des Territoriums und 6% der Bevölkerung bedeutete –; für den Verbleib Südkärntens wurde eine Volksabstimmung festgelegt. Die Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 ergab bei einer fast 100%-igen Wahlbeteiligung, dass die Mehrheit der Bevölkerung (59,04%) für einen Verbleib Kärntens bei Österreich stimmte, darunter auch ein nicht geringer Anteil an Slowenen, die in diesem Wahlgang rund 70% der Wähler stellten, und denen seitens der Landesregierung kurz vor der Wahl weitgehende Minderheitsrechte zugesagt wurden. Zwar versuchte der SHS-Staat nach der Volksabstimmung neuerlich, Kärnten zu besetzen, musste aber seine Truppen aufgrund internationaler diplomatischer Proteste bis 22. November 1920 aus dem Abstimmungsgebiet abziehen. Die 1920 festgelegten Grenzen Kärntens sind bis heute unverändert geblieben. Zwischen 1920 und 1934 Das Ergebnis der Volksabstimmung wurde als großer Erfolg gefeiert. Das Land litt jedoch an den Folgen der Kriegswirtschaft. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Kohle, an denen vor allem akuter Mangel herrschte, war aufgrund der abgeschnittenen Handelsverbindungen in die ehemaligen Gebiete der Donaumonarchie problematisch. Die Folge davon war der Anstieg der Inflation und der Arbeitslosigkeit, die zu einer wirtschaftlichen Krise in Kärnten führte. Zudem polarisierte sich das politische Leben seit den frühen 1920er Jahren zusehends. Mit den konservativen „Heimatschützern“ und dem sozialdemokratischen „Republikanischen Schutzbund“ standen sich sogar zwei paramilitärische Verbände mit gegensätzlicher Weltanschauung gegenüber. Allerdings kam es zunächst nicht zu ernsthaften Auseinandersetzungen. Ab Mitte der 20er Jahre entspannte sich die Situation allmählich. Im überwiegend auf Agrarwirtschaft ausgerichteten Kärnten zog der Fortschritt zunächst in den Städten ein: 1924 nahm die Radio Verkehrs AG ihren Sendebetrieb auf, 1925 wurde der Flughafen Klagenfurt eröffnet. In zahlreichen Städten und Gemeinden begann man verstärkt in den Fremdenverkehr zu investieren; so wurden beispielsweise am 3. Juli 1927 die wiedererbaute Naßfeldhütte des Alpenvereins auf dem Naßfeld im Gailtal eröffnet, ab 1928 das Strandbad am Wörthersee bei Klagenfurt ausgebaut, und in Oberkärnten mit dem Bau der Großglockner-Hochalpenstraße begonnen, die 1935 für den Verkehr freigegeben wurde. Auf die Ansätze des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Optimismus folgte die Weltwirtschaftskrise der beginnenden 1930er Jahre, die in Kärnten die Schließung von Hüttenwerken, einen Verfall der Viehpreise, fallende Nachfrage nach Produkten der holzverarbeitenden Industrie sowie einen erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Angesichts dieser gesellschaftlichen Situation verschärfte sich auch das politische Klima wieder, Sozialdemokraten und Kommunisten auf der einen sowie die Heimwehren und die Nationalsozialisten auf der anderen Seite gerieten bei Aufmärschen aneinander. Austrofaschismus Seit Anfang der 1930er Jahre erzielten die Nationalsozialisten in Kärnten bei Landtagswahlen, vor allem aber auch bei Gemeinderatswahlen beachtliche Stimmengewinne. So stellte die NSDAP in der Landeshauptstadt Klagenfurt 1931 die zweitstärkste Gemeinderatsfraktion, im darauf folgenden Jahr gelang ihr auch in zahlreichen Gemeinden der Durchbruch zu einer politisch bedeutsamen Partei. Buchlinks
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Die Wurzeln der Geschichte Kärntens reichen bis in die Altsteinzeit zurück. In der Antike war auch das Gebiet des heutigen österreichischen Bundeslandes Kärnten Bestandteil des keltischen Königreichs Noricum, ein erstes Staatengebilde in diesen Regionen, das später in der römischen Provinz Regnum Noricum aufging. Nachdem die Slawen die Römer um das Jahr 600 vertrieben und einen eigenen Staat Karantanien gebildet hatten, gewannen nach und nach auch baierische bzw. fränkische Einflüsse in Kärnten an Gewicht. Von 743 bis 907 herrschten fränkische Könige und Kaiser über das Gebiet, anschließend wurde Kärnten ein Teil des Herzogtums Baiern. 976 begann eine Phase der Eigenständigkeit des Herzogtums Kärnten, die bis 1335 andauerte; in diese Zeit fallen zahlreiche Klostergründungen sowie der Bau von Schlössern und Befestigungsanlagen. Anschließend wurde Kärnten von den Habsburger regiert und mit Österreich, Steiermark und Krain vereinigt.